Wortwolken – vor allem für die Suchmaschine

Liebe Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Frage: „Welchen Sinn hat ein werbender Artikel in einem Blog?“. Meine Antwort hat drei Teile:

1. SEO als Textbaustelle

Sehr viele Artikel werden, leider, zunächst mal als „semantische Wortwolke“ für Google geschrieben. Zunächst mal geht es darum, überhaupt eine Datei zu erzeugen und einen Ort im Internet, an dem sie liegt. Dann wird, ganz organisch (also normal) ein Artikel geschrieben. Der muss zunächst mal überhaupt einen Sinn, sprich ein Thema haben und zum Fachgebiet gehören, damit er richtig VERSCHLAGWORTET wird, von der Suchmaschine nämlich.

Das ist etwas völlig anderes, als für menschliches Publikum zu schreiben.

Wenn einen das entsetzt, muss man sehen, dass sehr viel von dem, was mit Herzblut verfasst wird und menschliche Leser erreichen soll, von diesen überhaupt nicht gelesen wird. Leider schreibt jeder Internet-Autor für die Maschine, weil eben die Maschine IMMER ALLES liest, was man von der Menschheit nicht behaupten kann.

Viele Artikel baue ich mit der Zeit aus, etwa, indem ich nette Fotos dazu packe oder noch ein wenig dazu schreibe. Schließlich ist das Netz als Ganzes auch ein Stream, und die Google Ergebnisse sind es noch mehr.

Aber bei SEO geht es absolut nicht darum, Texte zu schreiben, die Menschen begeistern oder Menschen zum Klicken anregen oder Menschen zum Weiterlesen anregen. Das sind Sekundär-Effekte, die natürlich nett sind. Aber für Menschen soll der Artikel hauptsächlich folgende Eigenschaften haben:

– nicht störend auffallen

– harmlos sein und zum Weiterklicken einladen

– Werbeträger sein

… wenn er dazu noch gefällt, interessiert, neue Fakten bietet und zum Lachen anregt, ist das natürlich ein nettes Sahnehäubchen. Aber die ERSTE Prüfstelle ist die Suchmaschine.

 

2. Soziale Netzwerke: schreiben für Publikumsreaktionen

In den sozialen Netzwerken ist es völlig anders, beim Community Building ebenfalls (selbst dabei braucht man allerdings Fülltexte). In Sozialen Netzwerken sollten Artikel viel kürzer sein und nach Möglichkeit so relevant wie möglich, Reizthemen, Lustiges, Geistreiches. zB bekamen wir gutes Echo auf ein Posting über Krebsheilung. Auch Ernährungstipps und alles Heitere/Rührende ist immer gut im SozNetz. Die Masse, Gott sei’s geklagt, sucht Rührendes, Mutmachendes und Witziges. Nach einem alten Gerücht hing im Büro einer New Yorker Zeitung jahrzehntelang ein Poster mit der Aufschrift: „They’re ten“, um den Redakteuren permanent zu vergegenwärtigen, dass das Lesepublikum UNREIF sei.

Aber Blogartikel, die zwecks SEO GESCHRIEBEN werden, sind eben erstmal, leider, eine reine Textmasse. Bei denen interessiert mich hauptsächlich, wie sie in der Suchmasch erfasst werden. Wenn sich dann in einer beliebigen Diskussion im Netz zu dem jew. Thema was Neues ergibt, erweiter ich solche Artikel gern. Das heißt, wenn in einem Stream, etwa auf facebook, zu meinem Füllstoff-Artikel ein gutes Argument genannt wird oder wenn ich einen spannenden Zeitungsartikel dazu lese, erweitere ich meinen Artikel. Und wenn er die nötige Inhaltsreife oder Qualität erreicht hat, DANN (aber erst dann) verlinke ich ihn auch in einem Sozialen Netzwerk. Die besten Artikel erscheinen außerdem als PDF oder werden Teil eines größeren PDF.

Aber, ganz zentral: eine Semantik-Wortwolke für Google ist kein papierener Zeitungs-Artikel, der die Leute dazu animieren muss, erst Geld auszugeben und dann noch Lesezeit zu investieren, was ja für viele Textschwache schlimme Arbeit bedeutet. Auch das sieht man an facebook streams oder postings – je länger diese sind, desto weniger Leser finden sie. DIESER kurze Artikel hätte keine Chance auf „Likes“. Es gibt sogar einen Fachausdruck dafür: „tl;dr“, was abgekürzt bedeutet, „too long – didn’t read“…

3. Kein neues Phänomen

Übrigens machen Print-Zeitungen das auch nicht anders, die halten „Lückenfüller“ standardmäßig vor, und das sind dann kleine nichtssagende Textdingse, die zeitlos und inhaltsarm sind und in Leerraum eingesetzt werden. Es gibt ganze Autorenwerkstätten, die davon leben, dergleichen zu verkaufen. Der Fachterminus für „brauchbare, vielseitig verwendbare, individualisiert erstellte Textinhalte“ ist übrigens „Copywriting“, was irreführender Weise überhaupt nichts mit Kopieren zu tun hat. Der erstellte Text MUSS gerade originär und individuell sein, kann also auch nur einmal (im gesamten Internet) verwendet werden.

Darum nutzt man auch jeden Tastenanschlag so intensiv wie möglich. Wenn man beruflich schreibt, werden selbst „normale“ Mails direkt zur Gewinnung weiterer Textfläche eingesetzt. So wie diese Mail, die genau darum auf eine persönliche Anrede verzichtet: da sie eine konkrete Antwort auf eine wiederkehrende Frage ist, geht sie als Durchschlag direkt an mein SEO Blog. Früher wäre das vielleicht ein Schnipsel-Archiv gewesen, das immer mal wieder verwertet wird.

Aber moderne Texterstellung ist vom Erstellen eines Artikels in früheren Zeiten mit Tinte auf Papier ungeheuer unterschiedlich. Dazu gibt es sogar eine Science Fiction Geschichte von mir: http://www.geschichtenautomat.de/OnlinePublishing/DEINE_geschichte_13.pap.pdf

… sehen Sie? Schon wieder Werbung gemacht ^^

Mit freundlichem Gruß

Timmo Strohm
Webmaster, SEO

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