Kinderfotos auf facebook

Kurze Zusammenstellung der Argumente FÜR die Wahrung der Privatsphäre von Kindern. Literatur zum Thema am Ende dieses Artikels.

WARUM SIE KEINE KINDERFOTOS „POSTEN“ SOLLTEN

Seit Längerem wird davor gewarnt, Kinderfotos auf facebook zu posten. Diese Warnung betrifft auch fotobegeisterte ELTERN. Die Polizei, Jugendschützer und Juristen warnen einhellig davor, die Intimsphäre des Kindes öffentlich zu machen.

Leider neigen viele Eltern zu extremen Reaktionen, vom facebook-Verbot bis hin zu Polizeianzeigen. Andererseits benutzen ganze Familien facebook als kollektives Foto-Album und teilen Babybilder und intimste Großaufnahmen ganz selbstverständlich und öffentlich quer über sämtliche Netze. Es muss darauf hingewiesen werden, dass nicht alles, was MÖGLICH ist, deswegen auch sofort eintritt. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sind die Folgen einer Fotoveröffentlichung auf facebook genau Null.

Jedoch kann es wirklich sein, dass Ihr Kind unerwünschte Kontakte im Netz aufnimmt, etwa mit Fanatikern, Unseriösen Geschäftemachern, Sexuellen Stalkern und dergleichen mehr.

Hier hilft kein Verbot. Alle Fachleute im IT Bereich sind sich völlig einig, dass jedes Verbot nur zur Verlagerung führt; die Informationsgesellschaft beginnt inzwischen beim „sprechenden“ Spielzeug der Kinder und kulminiert darin, dass kaum Achtzehnjährige mit der Teilnahme an Computerspiel-Olympiaden, Online Poker oder Videokanälen mehr als ihre Eltern verdienen – oder sich Terrororganisationen anschließen.
Für solche Folgen bedarf es nur des ZUGANGS zum Internet, und der ist eben allgegenwärtig.

Einzige Möglichkeit der Steuerung ist das vertrauensvolle Miteinander zwischen Kindern und Eltern. Was leider auch heißt, dass Eltern mitlernen müssen.

Als Internet-Fachmann kann ich aus jahrzehntelanger Berufserfahrung nur sagen, dass die Aufregung dem Thema meist nicht angemessen ist. Unerwünschte Bilder löschen oder unterdrücken zu lassen, oder sie nachzuverfolgen, ist mein täglich Brot und es ist weder schwer noch kompliziert. Es kann jedoch sehr arbeitsaufwändig oder teuer sein.

Eltern sollten sich klarmachen, dass das reizende Babyfoto, das ihr Kind in einer harmlosen Pose am Planschbecken zeigt, nur für Sie in Ihrem Intim-Erleben harmlos ist. Wenn sich der Kontext ändert, kann das Bild eine völlig andere Bedeutung erlangen. Schon wenn Ihr Kind älter wird und gehässige Schulkameraden hat, kann das Nacktfoto plötzlich zu einer grausamen Waffe für gemeine Mobber oder Erpresser werden. Für Pädophile kann das Foto eine Aufforderung darstellen. Auch Menschen, die sich das Vertrauen Ihres Kindes erschleichen wollen, können solche Fotos missbrauchen, etwa, indem sie intimes Wissen einsetzen. Muttermale, Narben, Tätowierungen an verdeckten Körperstellen – über solche Dinge sprechen zu können, verleiht Macht oder vermittelt den Eindruck intimer Bekanntheit.

Auch, wer Ihrem Kind die Identität stehlen will, freut sich, wenn er seinen Identity Theft mit alten Familienbildern unterfüttern kann – das erlaubt es, im Netz ganze Lebensgeschichten zu rauben.

Nochmal: es ist nicht wahrscheinlich, dass etwas Gefährliches geschieht. Autounfälle sind wahrscheinlicher. Aber dass Ihr Kind irgendwann mitbekommt, dass seine Intimsphäre für Fremde via facebook einsehbar ist – das erzeugt beinah zwangsläufig einen Konflikt in der Familie. Und Sie sollten sich einer Tatsache bewusst sein: Sie publizieren das Intimste Ihres Kindes, ohne je gefragt zu haben. Würden Sie selbst gern von Arbeitskollegen auf ein Foto angesprochen werden, das Sie als Kind nackt oder spärlich bekleidet in einer peinlichen Situation zeigt? Würden Sie gern die Pickel der Pubertät, Ihr Gesicht als Mumpskranker oder das übertrieben große Geburtstagsgeschenk von den Großeltern später von anderen vorgehalten bekommen? „Schau mal, wie Du da aussiehst…!“ Auf diesen Satz, zusammen mit einem Bild, das kurz danach auf allen Handies der Firma auftaucht, können wir alle gut verzichten.

Respektieren wir doch die Privatsphäre der Kinder.

*

Was kann denn geschehen? Falls überhaupt irgendetwas NEGATIVES durch den PC geschieht, ist es für viele Eltern schwer, sich vorzustellen, was das denn sein könnte. Faustregel zur Beruhigung: je schlimmer es ist, desto unwahrscheinlicher ist es. Hier eine unvollständige Liste der Gefahren… absteigend nach Häufigkeit und Gefährlichkeit sortiert

Desinformation

Unseriöse Werbebotschaften

Gesundheitsschädliche Werbebotschaften

Sexuelle Verwirrung

Politische oder religiöse Verwirrung

Kauf/Bestellung unnötiger, gefährlicher oder überteuerter Produkte oder Services

Schädigung des Selbstbewusstseins

Beginn einer gesundheitsschädlichen Gewohnheit

Verletzung des Intimbereiches / Entstehen von Peinlichkeit, Kompromittierung der Privatspähre

Potentielle Opferstellung oder Beute-Eigenschaft: Kompromittierung der Sicherheit der Familie (Zurschaustellung von Reichtum, Verletzlichkeit, Sicherheitslücken, Attraktivität, Intimität)

Mobbing

Schweres Mobbing

virtueller Kontakt mit Päderasten / sexuellen Angreifern

politische / religiöse Fanatisierung

Traumatisierung

Reale Bedrohung der Familie durch Einbrecher oder Diebe

physischer Kontakt mit Päderasten / sexuellen Angreifern

*

Gegenwehr ist nicht einfach.

Im Grunde sind die Fachbereiche hierzu:

Juristisch

– die Informationsfreiheit, auch die negative, dh das Recht, Information über sich selbst zu unterdrücken

– das Recht am eigenen Bild, das allgemeine Persönlichkeitsrecht,

– das Namensrecht

Klagegegner sind (außer der Person, die das Bild publizierte):

– die Provider, auf deren Webspace das Bild liegt,

– die Betreiber des jeweiligen Netzwerks („facebook“)

– die Betreiber der Suchmaschine (meist „Google“)

Datentechnisch / webtechnisch brauchen Sie einen Fachmann, der sich mit folgenden Bereichen auskennt:

CBIR (computer-based image retrieval)

ORM (online reputation management)

SEM (search engine marketing)

SEO (search engine optimization)

Weiterführende Links:

https://www.heise.de/foto/meldung/Polizei-Keine-Kinderfotos-auf-Facebook-posten-2849133.html

http://www.t-online.de/leben/familie/id_78511788/keine-kinderfotos-auf-facebook-posten.html

https://www.e-recht24.de/artikel/facebook/10277-kinderfotos-und-bilder-auf-facebook.html

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