Branchenverzeichnisse

Branchenverzeichnisse sind etwas Großartiges; nur wissen viele Benutzer gar nicht, wozu es sie überhaupt noch gibt (man hat ja Suchmaschinen).

Es gibt ihrer mehrere, manchmal in Kombi mit Bewertungsportalen (o gottogott). Nun sind diese Verzeichnisse oder Portale in den Suchmaschinen recht erfolgreich, weil sie eben so viele Links enthalten und offensichtlich auch organisierte und strukturierte Information bieten. Zudem sind sie eine praktische Methode, auf die Existenz des eigenen Geschäftes hinzuweisen.

Eifrig geht man nun also  hin und trägt sich ein.

Den eigenen Eintrag später wiederzufinden, kann schwierig sein: Verzeichnisse werden auch gern mal eingestellt, wechseln den Namen, den Betreiber oder das Kerngeschäft. Hier hilft nur ein langfristiger Vanity Search nach den eigenen Kernbegriffen.

Jahre später weiß leider auch kein Mensch mehr, wo überall man sich damals eingetragen hatte. Und die Jagd geht los: aha. 13 Einträge gefunden, jedenfalls auf den vorderen Ergebnisseiten. Wie viele Alt-Einträge sich in den hinteren Seiten noch herumtreiben, kann nur gemutmaßt werden.

All diese Einträge enthalten nun aber Fehler. Die Adresse zum Beispiel wechselte mittlerweile, auch die Kunden-Webseite heißt nun anders, und der Partner Xy ist aus der Firma leider inzwischen ausgeschieden. Schließlich sind wir alle im Netz genauso unstet und flatterhaft wie die Branchenverzeichnisse.

Nun müssen also all diese „Portale“ erstmal kontaktiert werden. Die Zugangsdaten sind natürlich verloren gegangen. Überhaupt hat man keine Daten oder Infos darüber, was diese Einträge eigentlich brachten, und spannend wird es an folgendem Punkt: es gibt Portale, die verdammte Schwierigkeiten machen. Entweder sie melden sich nicht, oder sie verlangen irgendwas, und in jedem Fall generiert die fehlende Passwort-Anmeldename-Kombi einen Haufen Arbeit. Sowas geht bis zum Scannen des Personalausweises, das gesetzlich verboten ist. Ich habe auch schon erlebt, dass verzweifelt früheren Mitarbeitern hinterhertelefoniert wurde.

Sehr schön auch: die Unsicherheit. Je nach Seriosität des „Unternehmens“ erfährt man einige Tage nach dem Telefonat, dass man bei der Adressänderung auch gleich einen Vertrag abgeschlossen, eine Verlängerung beantragt oder seinen Erstgeborenen verpfändet hat. Dergleichen führt zu ekelhaft mühseligem Schriftwechsel.

Was das Ganze eigentlich bringt, wird niemand je erfahren. Wie viele der User tatsächlich später Kunden wurden, ist kaum ermittelbar, außer über eine Befragung. Wenn ein Kunde im Geschäft steht, nervt ihn dergleichen nur („Grüßgott. Haben Sie uns über das Branchenverzeichnis SUPER-ERFOLG24, JIPPIEWEB oder über TÖRÖ-ELEFANT gefunden??“).

Hier meine Tipps für erfolgreichen Umgang mit der Verzeichnis-Seuche.

1) KEINE GIESSKANNE, KEIN SCHROTSCHUSS. Tragen Sie sich nicht in Dutzende von Verzeichnissen gleichzeitig ein. Derartige Vorgänge werten Suchmaschinen als unnatürlich. Suchmaschinen-Beeinflussung ist wie Tierdressur, das geht nicht im Hauruck-Verfahren.

2) Keine identischen Einträge. Ihre Adresse und Webseite ist natürlich immer gleich. Aber die Stichworte dürfen ruhig leicht variieren, die Kurzbeschreibung AUCH. Gleichlautende Einträge machen sich gegenseitig in der Suchmaschine Konkurrenz.

3) HEBEN SIE DIE ZUGANGSDATEN AUF!! Am besten ein Standardpasswort, dem einfach der Name des Anbieters folgt, und BITTE schreiben Sie das auf. Mit Datum, dem Namen des Eintragenden… und wer ganz schlau sein will, speichert noch die Vertragsbedingungen des Anbieters ab.

4) Kostenpflichtigkeit. Viele Einträge sind kostenlos, weil sie nur Sinnloses enthalten (was nützt es den Hamburgern, eine Münchner Postanschrift zu erfahren, wenn keine Web-Adresse dabei steht?). Hier sollte man sortieren und abwägen. Kostenlose Einträge, die die Angabe der Internet-Adresse oder wenigstens der Telefonnr. erlauben, kann man setzen… individuelle, sinnvolle Einträge, siehe 1). Die großen Berufsportale, die von der Jobvermittlung leben, kann man auch mal ausprobieren: ich höre, dass juristische Portale sich lohnen können. Generell muss ein Portal MINDESTENS das doppelte von den Kosten einbringen. Gelang das zwei Jahre hintereinander nicht, dann bitte kündigen.

5) Verbindung mit Bewertungsportalen: probieren Sie’s ruhig aus. Aber dergleichen sollten Sie beobachten, damit Sie nicht für Anti-Werbung zahlen. Geht hier etwas schief, hilft Ihnen ein Fachmann für ORM (Online Reputation Management). Viele Portale sind durchaus kooperativ, was Troll-Einträge angeht.

6) Vorsicht vor Tricks! Ein guter Weg, um ein Portal einzuschätzen, ist, es zunächst eine Weile zu beobachten – gerade, was die Performance in den Suchmaschinen angeht. Fachzeitschriften VERGLEICHEN gern mal mehrere Portale, aus derlei Artikeln erfährt man auch, welche Portale gerade führend sind.

Vor allem eins: Kein Portal ersetzt eine vernünftige eigene Seite. Was im Netz über Sie steht, sollte zuallererst eine Person kontrollieren. Raten Sie mal, wer.


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