Anforderungen an Online-Kochbücher

Was finde ich an Rezepten online wichtig?

Seit die fragwürdige Internet-Seite „Marions Kochbuch“ mit Serienabmahnungen, einem gefaketen Lexikon und dem Unterschieben von Banal-Bildern auffiel, ist auch dem letzten klar: Rezepte online sind ein umkämpfter Markt.

Rezepte werden auch geklaut, auch hier kam „Marions Kochbuch“ ins Gerede, das ein Forum samt Beiträgen unmittelbar in eine Kommerz-Seite umbastelte, um kurz danach ausgerechnet im Namen des Urheberrechts eine Massenabmahnung zu fahren. Die Rezepte der Foren-Nutzer waren in dieser Logik NICHT urheberrechtlich geschützt, die ungekennzeichnete Ablichtung eines industriell hergestellten Supermarkt-Brötchens dagegen schon.

Kurz gesagt: kaum etwas eignet sich mehr zur frechen Übernahme und zum Abzocken als unsere Ernährung, und tatsächlich erregt das Thema mehr Begeisterung und Klicks im Netz als die Sexualität.

Der Grund ist einfach: Jeder isst mehrmals täglich.

Da wir mit einer unseriösen Rezeptseite begannen, ist nun die Frage: was macht eigentlich eine seriöse Rezeptsammlung aus; und was ist eine unseriöse??

Als begeisterter Hobbykoch kann ich nur meine persönliche Meinung, als Online Publisher nur meine web-technische sagen:

 

Inhaltliche Lesbarkeit.

Das Rezept sollte munter geschrieben sein, nicht zu neutral, nicht belehrend, gern etwas launig.

 

Technische Lesbarkeit.

Das Rezept sollte sich leicht ausdrucken lassen (also nicht rote Schrift auf grauem Grund, weil mein Drucker daraus Grau auf Grau macht), möglichst wenig Seiten enthalten und auf dem Ausdruck keine Werbung außer der Marke des Urhebers. Die Schriftart will ich mir als Leser frei einstellen können. Außerdem will ich das Rezept im Smartphone perfekt lesbar haben, weil ich es beim Einkaufen statt Einkaufszettel nutze.

 

Zutaten.

Ich will sämtliche Zutaten, ganz genaue Gramm-Angaben und idealerweise noch Einkaufstipps. Die Liste darf gern auch leicht sortiert sein, zB danach, wo man einkauft (z.B.: Gelbwurz-Wurzel gibt es im Reformhaus). Alle Zutaten-Namen bitte unmissverständlich – wenn es mehrere Ausdrücke gibt (Porridge/Lauch), will ich alle Namen lesen, wenn Sultaninen Sultaninen sein müssen, soll das dastehen, wenn es auch Rosinen sein dürfen, will ich das wissen.

 

Noch Zutaten.

Ich will die Vorstufen der Zutaten (Eischnee, Butter-Zucker-Schaum) im Rezept so erwähnt haben, dass ich weiß, wann ich was vorbereiten muss. Schließlich fang ich mit dem Rezept in der Hand an, zu kochen und geh der Reihenfolge nach vor; ich lerne nicht das ganze Rezept auswendig.

 

Immer noch Zutaten.

Ich finde es toll, wenn die Rezepte Erklärungen enthalten, etwa Infos zur Herkunft oder zu den Nährstoffen der einzelnen Nahrungsmittel. Aber bitte am Ende des Rezeptes. Und NICHT in der Druckdatei, ich will nämlich kein Lexikon drucken, sondern nen Einkaufszettel.

 

Kalorien-Angaben.

Mir sind die meisten Rezeptangaben zu klein oder zu wenig, darum nützen sie mir nichts. Schön ist aber, wenn man das Rezept ins Verhältnis setzt und sagt „hat etwa gleichviel Kalorien wie zwei Tafeln Schokolade…“ – denn damit kann ich etwas anfangen.

 

Kochzeit, Schwierigkeitsgrad

Ja, bitte angeben. Ungefähr wenigstens. Und: wenn „Wasserbad“, „montieren“ oder „pochieren“ oder Ähnliches vorkommt, ist das Rezept NICHT mehr für Anfänger geeignet.

 

Preis-Angaben.

Es ist nicht übel, wenn ich weiß, ob das Zeug, das ich da brauche, extrem teuer ist. Oder wenn ich erfahre, in welcher Saison ich dieses Rezept besonders preisgünstig kochen kann.

 

Selber ausprobiert-haben.

JEDES Rezept sollte der Rezept-Ersteller mal selbst gekocht haben. Und zwar NACH seinem eigenen Rezept. Nichts macht mich wütender, als EXAKT nach Rezept vorgegangen zu sein, nur um dann mitzubekommen, dass es auf diese Weise tatsächlich überhaupt nicht geht.

 

Foto.

Ja, sehr gern. Lieber ein ECHTES als ein gestyltes vom Lebensmittel-Fotografen.

 

Stimmigkeit.

Wolfram Siebeck schrieb ungenaue Rezepte, schluderte mit den Kalorien-Angaben, den Mengenangaben und mit der Vorgehensweise. Trotzdem lasen sich die Kochbücher super und ich konnte immer danach erfolgreich kochen. Vielleicht muss man also auch etwas Toleranz einsetzen und sagen: wem es gelingt, eine Anleitung zu machen, nach der andere kochen können, der hat die Aufgabe bewältigt. Mein Tipp für Rezept-Publizierer daher: das Rezept nicht nur selbst mal kochen, sondern es auch mal von einem Hobbykoch testen lassen. Beispielsweise von mir 🙂

 

Unseriöse Rezeptseiten

…sind solche, die die Rezepte ihrer Nutzer klauen – dh als eigene weitervermarkten. Unseriöse Seiten missbrauchen die enormen Fehler im deutschen Urheberrecht für Abzocke und vor allem für Abmahnungen. Niemand bündelte all diese schlechten Eigenschaften stärker als das mittlerweile entlarvte „Marions Kochbuch“, das durch eine der berüchtigtesten Abmahnserien Deutschlands auffiel (und durch ein gepfuschtes Lexikon). Fällt eine Webseite durch Abmahnungen auf – hier hilft es, mal kurz zu googeln – sollte man wegbleiben. Unseriös ist auch alles Werbelastige, und wenn der „Koch“ nicht wirklich selber kocht. Nach etwas eigener Kocherfahrung kann man Rezeptsammlungen meist schnell bewerten. Hilfreich wäre hier ein Verzeichnis, welche Art Kochbuch für Anfänger geeignet sind … das ist nämlich nicht jedes.

 

 

 

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Schön ungewöhnliches veganes Kochbuch:

Hansch TV Rezepte
Rezepte und Mümmeleien

http://www.hansch-tv.com/

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