Umsatz durch die Decke

Gibt es seriöse Massenmails?

Derzeit gehen wieder Massen-Werbemails bei Unternehmen ein, die mit allen Mode-Begriffen des Internet nach unserer Aufmerksamkeit hakeln.

Eine aktuelle Mail bietet an, gegen Gebühr (ca. 1000,- Euro angeblicher Wert, Sonderangebot ca. EUR 500,- )  eine Vielzahl von Accounts anzulegen und einzurichten. E-Bay und Amazon-Shop, Facebook, Google+, Twitter und, man lese und staune, „etc.“ würden eingerichtet, verschaltet und würden den Umsatz „durch die Decke“ treiben.

Mancher Empfänger dieser Mail geht vielleicht an die Decke, aber nicht vor Investoren-Glück, sondern vor Wut. Trotzdem, könnte nicht doch etwas dran sein…?

Schauen wir uns diese Mails doch genauer an.

Gesetzlich verboten

Bei allen Angeboten, die per E-Mail kommen und Firmen zu irgendwelchen Investitionen auffordern, muss man vor allem eines sehen: es ist in Deutschland nicht erlaubt, Werbemails unverlangt zuzusenden. Schon darum finde ich derartige Angebote unseriös – ich kann meine Methoden ja auch nur „normal“ bewerben und schicke keine Massen-Mails (Spam).
z.B.:
AG Düsseldorf, Urteil vom 10.07.12, Az.: 29 C 2193/12
zitiert nach:
http://www.legal-webhosting.com/blog/auch-erstmalige-werbung-per-e-mail-verboten

Die Gegenmaßnahmen sind auch schon lang gängig, seit Beginn des Jahrtausends.
http://www.chip.de/artikel/Wie-Sie-Werbe-Mails-aussperren-2_12859570.html

Selbst wenn man darüber hinwegsieht, finde ich die Angebote stets reißerisch, denn es wird Unbewiesenes und Unbeweisbares versprochen. Je nachdem, welche Zielgruppe Ihre Werbung ins Auge fasst, sind die Ergebnisse ja auch völlig unterschiedlich.

Fachlich und rechtlich fragwürdig

Vieles in solchen Angeboten ist Unsinn.
Beispiel.
Versprochen wird eine „Top Level Domain auf Facebook“. Das sieht dann so aus: http://www.facebook.com/IhrName. Diese „sprechenden“ facebook-Adressen kann man nach einer bestimmten Zahl Klicks für Organisations-Seiten anlegen. Es handelt sich aber nicht um echte TLDs: auf facebook gibt es VIELE Adressen, die etwa „www.facebook.com/meier“ heißen, während es „www.maier.com“ nur EINMAL weltweit geben kann. Eine facebook „TLD“ nützt also nicht besonders viel. Und von „Top Level“ zu reden, ist geradezu verlogen.

Sie sollen, schlägt ein solches Werbe-Angebot vor, „E-Mail-Adressen von Kunden sammeln.“ Dazu braucht man eine Datenschutz-Erklärung (§ 13 TMG), die ein Anwalt abfassen muss, wenn sie nur halbwegs abmahnsicher sein soll. Und was könnten Sie mit den Adressen denn anfangen? Unverlangte Werbung zusenden, die verboten wäre?

Facebook-Buttons auf Webseiten einzubinden, ist in Deutschland ebenfalls datenschutzrechtlich hoch umstritten, keinesfalls sollte man das „einfach so“ tun. Eine rechtlich vertretbare Methode finden Sie hier:
http://www.heise.de/ct/ausgabe/2014-26-Social-Media-Buttons-datenschutzkonform-nutzen-2463330.html

Masse nützt und schadet

Die gleiche Mail schlägt die Einrichtung vieler weiterer Accounts und „Shops“ vor. Der Aufwand, den es kostet, diese zu pflegen, wird dabei aber unterschlagen. Ein E-Bay Shop oder Amazonshop muss betrieben und überwacht werden, beides ist aufwendig. Die Abmahngefahr ist hier, auch heute noch, beträchtlich (ca. 70% aller Shopbetreiber wurden mindestens einmal abgemahnt).

SEO – fragwürdige Suchmaschinentaktik

Das Problem ist auch, dass leerstehende oder nicht aktiv betriebene Plattformen / Accounts Ihrer „richtigen“ Marke im Netz dann Konkurrenz machen und, da sie eben keine echte Information bieten, Ihr Stichwort inhaltlich aushöhlen. Denn die Suchmaschinen sehen ja dann, dass unter „Ihrem-Namen“ viele Accounts mit wenig Information sind. Damit wird Ihr Hauptbegriff entwertet.

Auf „dringend“ gemacht

Natürlich ist die Teilnahme an dem „Angebot“ beschränkt. Die Beschränkung auf 50 Teilnehmer finde ich krass unseriös – und ungeschickt -, weil diese Mail offensichtlich an zahlreiche Mail-Adressen verschickt wurde. Das soll nur künstlich den Druck aufbauen, man könne irgendetwas Großartiges verpassen. Zeitlich beschränkt ist die Sache selbstverständlich auch: wir erhalten eine Frist von sieben Tagen.

Andere Mails dieser Art werden mit „Höchste Priorität“ ausgestattet, mit erfundenen Adelstiteln oder akademischen Titeln gewürzt, oder sie reden von der Möglichkeit, „individuell“ und „exklusiv“ Millionen zu verdienen.
Bleibt nur abzuwarten, wie oft wir dasselbe Angebot mit derselben exklusiven Teilnahme-Möglichkeit noch im Mail-Ordner finden werden.

Automatisierung

Ganz generell: solche Angebote beruhen auf Automatisierung. Das bedeutet, es wird von Anfang an mit Schablonen und Matritzen gearbeitet (oder mit indischen Partnerfirmen, gibt’s auch). Damit wird dann im Schrotschuss-Verfahren ein Internet-Profil mit vielen „Plattformen“ erzeugt; diese laufen dann weitgehend leer und sind außerdem rechtlich zweifelhaft.

Automatisierung hat ihren Sinn und ihren Platz. Zum Beispiel beim Verteilen von Neuigkeiten können Sie Automatik-Dienste nutzen, dann erscheint eine Art „Schlagzeile“ in vielen Netzwerken gleichzeitig. Der Dienst dafür heißt „IFTTT“ und ist kostenlos.
Facebook ist ein „soziales Netz“. Das heißt, dass Menschen miteinander sprechen. Einer dieser Menschen müssen Sie sein – und das kostet eben Zeit. Was soll der Google+ Account oder der Twitter-Account denn bringen, wenn Sie dort nicht präsent sind?
Meine facebook-Arbeit umfasst bis zu zwei Stunden pro Tag, und das ist nur die Kontaktpflege.Eine Community aus Freunden, Interessierten und Kunden aufzubauen, dauert lange und ist das Ergebnis von sehr viel Kreativität. Im rechtlichen Graubereich, das muss man wissen, bewegen wir uns auf facebook ohnehin.

Der richtige Weg

Meine empfohlene Strategie für soziale Netzwerke besteht darin, Information auf eigenen Kanälen (Webseiten, Shops und Blogs) zu publizieren und in facebook & Co. nur den Verweis zu posten; dann auf alle Reaktionen, die kommen, unbedingt eingehen. Das ist weniger Aufwand, als Ihre Produkte bei E-Bay und Amazon gleichzeitig zu vermarkten und in einem Dutzend Sozialer Netzwerke zu arbeiten. Grund dafür ist, dass für Ihre eigenen Inhalte auf diese Weise nicht die Vorgaben US-amerikanischer Internetriesen gelten, sondern lediglich das Gesetz Ihres selbstgewählten Standorts. Zudem geben Sie das Copyright an Ihren Inhalten nicht an Fremde ab. Statt die fremden Webseiten anzureichern und zu füttern, bewerben Sie so ihre eigene Unternehmens-Seite und stärken Ihre eigene Marke. Wieviel Sie dann tun, um von außen – also von facebook und anderen sozialen Netzen – werbend auf Ihre Seite hinzuweisen, das sollten Sie selbst schrittweise und gezielt festsetzen. Per Schrotschuss eine große inhaltliche Leere ins Internet zu klopfen, die dann unter Ihrem Namen zu finden ist, halte ich für verlorene Liebesmüh.

 

 

 

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