Das Schaufenster und der Hochglanzprospekt

Ein einfacher Vergleich

Zahllose Unternehmen verbrennen Geld beim Erstellen von Webseiten. Ob es ein „Redesign“ ist oder ein „Relaunch“, ob für eine Neugründung ein erster Internet-Auftritt erstellt wird: es bestehen immer die gleichen Missverständnisse.

Dem Management – vielleicht gehören Sie ja dazu – ist oft nicht zu vermitteln, worum es geht. Denn bei „Werbung“ denken noch immer viele an das, was sie aus der Kinowerbung gewohnt sind: an einen knackigen Kurzfilm mit enormer Action, hallenden Sound-Effekten, animierten Schriften. Und dazu gibt es Eiskonfekt.

Der Computer ist ein völlig anderes Medium. Den beschriebenen Film können Sie natürlich drehen lassen, die Kosten sind aber beträchtlich. Und eine Internet-Seite haben Sie damit immer noch nicht. Die ist nämlich klickbar, durchsuchbar und bietet – außer dem Link zu Ihrem Film, den Sie halt in Gottes Namen unbedingt wollen – auch noch viele andere Medien: Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme, Links zu sozialen Medien, Material zum Download.

Vor allem ist die Seite durchsuchbar, was der Film NICHT ist. Da es aber Trillionen von Dokumenten und Millionen von Filmen da draußen gibt, sollte die Webseite ja auch gefunden werden können.

Und darum ist sie eben TEXTBASIERT.

Jetzt kommt das Management, sprich, SIE, mit einer wunderbaren Idee: die Webseite soll dann bitte so aussehen wie ein Hochglanz-Prospekt. Genau wie das reißerische Werbefilmchen kennen Sie nämlich aus Ihrer Kindheit auch diese dicken, beschichteten Hochglanzmonster, in denen man blättern und die Gier erwachen lassen konnte.

Dementsprechend sind Sie von allem, was Sie an Entwürfen gezeigt bekommen, wenn es ums Webdesign geht, tief enttäuscht. Das ist nicht so, wie Sie es sich vorstellten, denn obwohl Sie seit Jahrzehnten surfen, sind Sie bei „Werbung“ noch mit den Ideen Ihrer Kindheit verbunden.

Es wird also hin- und herentworfen. Irgendwann schlägt man Ihnen vor, doch einmal eine erste Version online zu schalten, und diese sich entwickeln zu lassen.

Jetzt haben Sie endlich den Beweis: da sind Pfuscher am Werk. Und Sie setzen zu einer großen Tirade an: auf gar keinen Fall veröffentlichen wir „Unfertiges“!! Die Webseite muss „perfekt“ sein, wenn sie veröffentlicht wird, muss es „richtig krachen“ … und von diesem Tage an gibt es immer noch mehr Revisionen, es werden Korrekturfahnen auf Papier hin- und hergeschickt, und viele, viele großformatige Ausdrucke werden verteilt.

Natürlich soll die Webseite von vorn herein auf jedem denkbaren Bildschirm perfekt angezeigt werden… aber dass eine Webseite für den Minibildschirm einer Armbanduhr von einer Webseite für riesige Breitbildmonster irgendwie unterscheidet, wissen Sie nicht – oder Sie wollen es nicht.

Mir, übrigens, ist das Ganze sehr recht. Ich und meine Branche verdienen ungeheure Geldsummen bei solchen Vorgängen, und wir führen das Ganze streng nach Vorschrift, völlig transparent und gewissenhaft durch.

Aber Sie geben das Hundertfache aus, und das meine ich ganz wörtlich. Wenn das Ihnen Wurst ist, fein: dann sind Sie zufrieden und ich verdiene was. BESSER wird Ihre Seite dadurch auf keinen Fall, nur teurer.

Wenn Sie wirksam werben und sparen wollen, habe ich einen Tipp und einen Vergleich für Sie:

DENKEN SIE AN EIN SCHAUFENSTER.

Eine Unternehmens-Webseite ist wie ein Schaufenster. Sie ist nie „fertig“, denn sie wandelt sich mit dem Angebot. Sie wird vor den Augen des Publikums erstellt. Viele unvermeidbare Probleme zeigen sich direkt nach Fertigstellung, und deren wichtigstes ist die Publikumsreaktion.

Das Wunderbare daran ist, dass man auf Schwierigkeiten wiederum sofort eingehen kann: das Kaufhaus gegenüber hat – zufällig – eine furchtbar ähnliche Deko? Eine aktuelle Entwicklung führt dazu, dass Ihre Darstellung anders interpretiert wird? Die Lichtverhältnisse ändern sich oder sind nicht so, wie erwartet?

All das ist beim Schaufenster nicht schlimm: man dekoriert einfach um.

Manche Elemente Ihres Schaufensters werden stets gleich bleiben oder immer mal wiederkehren, andere sind flüchtige Modeerscheinungen.

Auch können Sie beobachten, wie viele Menschen davor stehen bleiben, was für Gesichter sie machen und  auf welche Angebote sie besonders achten.

Nichts davon ist beim Hochglanzprospekt möglich. Und wenn der fertig ist und in einer Auflage von 30.000 gedruckt und verteilt wurde, dann gilt all das, was oben gesagt wurde: Fehler sind nicht mehr korrigierbar, die Wirkung ist ein für allemal da, und eine Blamage erreicht eben 30.000 Menschen und nicht nur ein paar Passanten, die in genau dem Moment vorbeikamen, als der Fehler erschien.

Webseiten dagegen sind flüchtig und veränderlich. Für die Menschen sind sie eine Anlaufstelle, Kontaktmöglichkeit und Quelle von NEUIGKEITEN. Schaufenster halt.

Also machen Sie doch Ihren Katalog: langweilig und zeitlos, schön bunt und (hoffentlich) mit zahllosen Qualitätskontrollen. Und dann stellen Sie ihn zum Download auf die Webseite.

Aber Ihre Webseite ist lebendig. Es ist einfach ein Irrtum, zu glauben, man könnte da etwas „Fertiges“ erzeugen. Eine Webseite durchläuft mehrere Phasen bis zur Veröffentlichung („Rollout“ oder „going live“). Die letzte Testphase VOR Publikation ist die Betaphase: da sollten Sie selbst und eine Gruppe von Test-Surfern nach Herzenslust darin herumklicken. Aber irgendwann muss sie ´raus. Und dann wird sie im Betrieb perfektioniert. So wie alle Software, selbst die, für die wir teure Lizenzen zahlen.

Und das Beste kommt zum Schluss: Eine Webseite, die immer weiter verändert und verbessert ist, ist Googles liebstes Kind. Denn die wird ja offensichtlich aktiv betrieben, und hat darum eines der wichtigsten Ranking-Kriterien schon erfüllt:

Aktualität.

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