Trolle

Kurzfassung: Was „Trolle“ treiben, was sie motiviert, und was Sie als Betroffener tun können, um sich zu wehren

 

Trolle im Internet

 

Es gibt sie. Und jetzt?

Definition: Internet-Troll

Ein Internet-Troll ist jemand, der die normale Kommunikation im Internet stört, missbraucht oder zweckentfremdet, um eigene Ziele zu verfolgen. Dabei können (durch professionelle Trolle aus Politik oder Kriminalität) Sabotageziele, finanzielle Ziele oder Propagandaziele verfolgt werden. Häufig sind auch Laien-Trolle: sozial gestörte Menschen, die ein pathologisches Bedürfnis befriedigen, indem sie andere Menschen kränken, provozieren oder manipulieren; dabei geht es ihnen einzig um das Erlebnis der Beachtung oder um ein Machtgefühl.


Ein System zu missbrauchen, ist grundsätzlich immer möglich. Viren tun das, Saboteure tun das, Egoisten tun es. Man beschädigt, verhindert oder verändert ein System in einer Weise, die andern schadet, einem selbst aber nützt.

„Trolle“ sind Internet-Benutzer, die Kommunikation missbrauchen. Dieser Missbrauch besteht nicht unbedingt darin, dass sie kritische oder beleidigende Inhalte erzeugen. Schon gar nicht ist ein „Troll“ jemand,  der eine andere Meinung hat. Wer eine andere Meinung hat, ist ein geschätzter Diskussionspartner, selbst dann, wenn sie radikal ist.

Fachmagazine zum Beispiel freuen sich unter Umständen über Fachkritik – dies gibt Gelegenheit zu Diskussion und Kundenbindung. Beleidigungen gegen prominente Politiker mögen in einschlägigen Wutbürger-Foren geradezu erwünscht sein und den oder die Betroffenen völlig kalt lassen. Solange nur Diskussionsbereitschaft und Interesse an Verständigung da ist, ist man kein Troll.

Mit „Troll“ ist ein destruktiver User gemeint, also jemand, der den Zweck des Mediums missbraucht. Er schreibt peinliche Kommentare zur Verlobungs-Ankündigung, Lügen oder Werbung ins Informations-Forum, oder er überschwemmt ein Diskussionsforum mit Textmassen oder Linkspam. Er kann auch ein Stalker oder einfach generell ein übellauniger, schlecht informierter und pathologisch gearteter Charakter sein.

Troll-Motive

Was den Troll motiviert? Der Wunsch nach Beachtung, Missionarismus, Groll oder, schlimmstenfalls, Geldgier – etwa wie im Fall einer Werbeagentur, die im Wahlkampf für einen Bürgermeisterkandidaten dessen Gegner trollte (und sich dabei auch noch erwischen ließ).

Auch politisch motivierte Trolle, die oft (schlecht) bezahlt arbeiten und eine Agenda im Netz durchsetzen oder verbreiten sollen, sind inzwischen fester Bestandteil vieler Propaganda-Apparate; speziell Russland und die USA sind dafür bekannt.

Der Troll erlebt häufig ein Überlegenheitsgefühl, da er versteckt arbeitet und Sie als Ziel deutlich sichtbar sind. Er spürt ein Machtgefühl, da Sie häufig reagieren müssen – und er Sie auf jeden Fall verärgern und verunsichern kann. Gerade wenn er Gegenwind bekommt, fühlt er sich beachtet, was ebenfalls seinem Ego guttut. Und er reagiert seinen Groll (gegen Sie oder gegen das, wofür Sie seiner Ansicht nach stehen) an Ihnen ab, ohne jedes persönliche Risiko.

Das Psychogramm eines Trolls ist also ein unsicherer, feiger und (im Realen Leben) völlig machtloser Mensch, der nach Aufmerksamkeit, Macht und Anerkennung giert.

Angriffsposition – überlegene Position

Der Troll ist – internetmäßig – in einer überlegenen Situation. SIE haben auch noch etwas anderes zu tun. Er nicht. Es ist das höchste Glück des Trolls, das Internet als Waffe oder Bühne zu benutzen. Da ihm seine Tätigkeit Befriedigung verschafft, kann er viel Zeit aufwenden und genießt dies auch noch. Dieselbe Zeit stiehlt er Ihnen. Und er bestraft Sie dabei. Denn SIE müssen:

  • Ihr Forum mit mehr Aufwand administrieren (Haftungsrisiko!)
  • Die Verleumdungen entkräften
  • Strafanzeige stellen
  • Das Internet nach Troll-Aktivitäten absuchen

Das kann noch weiter gehen. Trolle können bewirken, dass Sie:

  • umfirmieren müssen
  • Ihre Online Persönlichkeit oder Ihre Firmen-URL ändern müssen
  • Ihre/n Partner/in beruhigen müssen
  • Umsatzeinbußen erleiden
  • Ihr Ruf und Ihre soziale Stellung sich verschlechtert

Cybermobbing: Strafanzeige wirkungslos

Wer bereits wegen Cybermobbing bei der Polizei war, ist in der Regel stark ernüchtert: man kann wenig bis gar nichts tun, solange der Urheber nicht bekannt ist. Die Firma Facebook bleibt bisher weitgehend untätig und sperrt nur Obszönitäten, die öffentlich geteilt werden, generell.

Professionelle Trolle werden Anonymisierungs-Server benutzen; doch selbst verstörte Bekannte, die Sie trollen, sind ziemlich geschützt, da Sie innerhalb weniger Wochen von facebook die Verbindungs-IP des Trolls und dann von dessen Provider die zugeordnete Privatadresse bekommen müssten. Da es sehr relativ sein kann, welche Aussagen verboten sein sollen und welche von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, der Datenschutz aber auch Trolle schützt, ist Cybermobbing ein beliebtes Hobby dummer Zeitgenossen.

Was Sie tun können

Am besten ist es, wenn man die möglichen Gegenmaßnahmen danach sortiert, welche Angriffe kommen können.

Online-Footprint minimieren

Jeder auf SIE spezialisierte Troll wird zuallererst: SAMMELN. Er wird jede Information über Sie suchen, derer er habhaft werden kann: Fotos mit Ihrem Gesicht, etwa um es zu manipulieren; Informationen über Ihren Wohnort, Ihre Lebensumstände, und natürlich all Ihre Internet-Accounts. Am besten ist es daher, Ihren Online-Footprint so klein wie möglich zu halten. Wenn machbar, halten Sie Ihr Gesicht ganz aus dem Internet heraus. Ist das unvermeidlich, so sollten Sie wenige Fotos heraussuchen, die Sie so zeigen, wie Sie gezeigt werden möchten, und sie in Schwarzweiß-Bilder umwandeln. Das wirkt nicht nur gut und lässt sich gut ausdrucken, es gibt Fälschern auch wesentlich weniger Möglichkeiten.
Erzählen Sie nur das Nötigste über sich im Internet. Alles, was Dritte finden können, kann auch von Dritten missbraucht werden. Wenig über sich zu sagen, nimmt dem Troll seine Waffen.

 

Ehrlichkeit sinnvoll verwenden

Der Troll wird Information über Sie in einer Weise verbreiten wollen, die Sie verletzen soll. Am besten ist daher, Ihren Online Footprint so zu gestalten, dass er von dieser Seite her wenig angreifbar ist. Zeigen Sie sich im Netz als das, was Sie sind, oder UNTERTREIBEN Sie. Dadurch kann in Diskussionen die unschätzbare Option entstehen, dass sich herausstellt, dass Sie BESSER sind als gedacht – ein Thread, in dem sich so etwas herausstellt, ist wie eine endgültig gewonnene Schachpartie. Anders gewendet: wenn Ihr Erfolg davon abhängig ist, dass Sie online erfolgreich lügen können, dann sind Sie durch Trolle äußerst verwundbar.

 

Verbündete suchen

Verbündete sucht man nicht im Internet – man lässt sie kommen. Der Troll wird Sie angreifen und dabei:

  • lügen
  • übertreiben
  • hetzen
  • beleidigen

Wehren Sie sich in öffentlich sichtbaren Diskussionen so wenig wie möglich. „Getroffene Hunde bellen“ – daran glaubt ein großer Teil des Publikums. Bleiben Sie dezent, sympathisch und geben Sie dem Troll in einem Punkt Recht, der völlig bedeutungslos ist und/oder auf die meisten Menschen zutrifft; Sie werden sehen, dass in Online-Diskussionen die Sympathie zu Ihnen schwenkt. Lassen Sie sich von anderen verteidigen.

Methode Kohl

Das Erfolgsrezept eines deutschen Staatsoberhauptes war: Aussitzen. Das Publikum hat ein kurzes Gedächtnis (besonders für Details), daher kommt es langfristig nur darauf an, dass SIE bestimmen, wie Ihr Ruf im Internet ist. Wie fleißig der Troll auch ist, ihm geht irgendwann die Puste aus – und das geschieht am ehesten, wenn Sie minimal reagieren. Der Troll versucht, Sie persönlich zu treffen. Gehen Sie NIE darauf ein, und antworten Sie ihm NIEMALS direkt. Sprechen Sie allgemein, zum Publikum. Lassen Sie die Trollposts wie Hintergrundgeräusch sein: ärgerlich, aber nicht entscheidend. SOWIE SIE AUF EINEN TROLL EINGEHEN, GEBEN SIE IHM NAHRUNG. Dazu gehört natürlich auch ein gutes Selbstbewusstsein. Aber gerade im Internet muss man lernen, das zu sein, was man von sich selbst denkt, und nicht das, was die anderen denken.

Königlich ist es, Schmähungen zu überhören. (Marc Aurel)

 

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Weitere mögliche Gegenmaßnahmen:

1) Wenn Ihnen der Troll bekannt ist und er definitiv Beleidigungen gegen Sie äußert oder Lügen verbreitet, sollten Sie ihn anzeigen.

2) Sie können an die Betreiber des Forums oder die Admins der Gruppe (etwa auf facebook) schreiben und bitten, die Troll-Kommentare zu löschen. Am besten fügen Sie dabei den Nachweis bei (Screenshot der Beleidigung oder Beweis der Lüge).

3) Es ist möglich, eine auf ORM oder SEO spezialisierte Agentur damit zu beauftragen, die Postings löschen zu lassen oder sie aus der Suchmaschine zu verdrängen; manche Detekteien bieten auch an, Fake-Identitäten aufzudecken.

4) In Facebook können Sie User melden oder sperren lassen… allerdings sind die Erfolgsaussichten sehr schwer einzuschätzen. Information dazu bei Schwindt-PR:
http://www.schwindt-pr.com/2013/07/18/facebookseite-nutzer-blockieren/

 

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Es gibt, in seltenen Ausnahmefällen, auch ausgesprochen gute Trolle, wie zum Beispiel den Seetroll, der Comics und Spiele verkauft…

 

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