Mnemotechnik I

Hallo, Gedächtnisse. So funktioniert meins.

(Eine ganz kurze Beschreibung, wie meine Gedächtnistechnik aussieht. Vielleicht findet es jemand nützlich… Sprachspaß vorausgesetzt)

Gerrymandering. Interesse? Ist gerad Wahlkampfthema in den US.
Gerrymandering bedeutet, Wahlbezirke so umzuverteilen, dass die Stimmverteilung sich vorteilhaft verändert… vorteilhaft für den Umverteiler, versteht sich. Das ist ein Kofferwort aus „Gerry“ und „Salamander“, weil der Typ, der´s als erster populär machte, Gerry hieß und die Distriktverteilung auf der Landkarte wie ein Salamander aussah… smog und motel sind auch solche Kofferworte, die wir total gewohnt sind, und die uns schon gar nicht mehr auffallen. Seit dem Jahr 1812 entsteht, wenn jemand um kurz oder geistreich zu sein, zwei oder mehr Worte zu einem Neologismus zusammenquetscht, so ein…
Kofferwort. Interesse? Heißt auf Englisch „portmanteau„, nach dem großen, aus Schalen zusammengesetzten Kleiderkoffer. Gleiche Idee in Deutsch und Englisch. Das Konzept ist obendrein exakt dasselbe im Französischen. Heißt dort aber fieserweise NICHT „portmanteau“. Der Franzake sagt „mot-valise“ (= Wortkoffer, klar.) Italos und Spaniökel machen übrigens nicht mit: der eine sagt „Parola macedonia“, der andere „composicion“. Und wenn der Italiener netterweise wenigstens noch „valigia“ zum Koffer sagt, was wenigstens n bissel nach „valise“ klingt, macht der Spanier schon wieder Ärger und nennt das Ding „maleta“. Soviel zum geeinten Europa.

salamantel
Heißt dann „portmanteau“ wenigstens irgendwo „Koffer“? Naja… bei ein paar altmodischen, halbtoten  Engländern der superreichen Oberklasse. Auf US-Amerikanisch ist der „Koffer“ schlicht „bag“ oder „Anzug-Kiste“ (suitcase). Ein „portmanteau film“ ist ein Episodenfilm (halt zusammengesetzt), ein „portmanteau word“ ein zusammengesetztes Wort. Die meisten Linguisten sagen nur kurz „portmanteau“.
Halbgebildete Amis MEINEN aber, „portmanteau“ hieße auf Französisch „Koffer“, weil es eben so verführerisch „richtig“ aussieht. So, als könne man es direkt ableiten. Wörter, die in allen Sprachen gleich oder ähnlich sind, sind schließlich gute Freunde. Im „portmanteau“ steckt aber ein falscher Freund, wie ein Schachtelteufel springt der FALSE FRIEND hervor: so nennt der Amerikaner irreleitende Wortähnlichkeiten. Und bei „falschem Freund“ denkt der Ami schon wieder an Franzosen…

Denn was macht der fiese Franzake? Er sagt noch heute „portmanteau“. Aber es heißt heute was anderes als vor hundert Jahren: der moderne Franzose meint mit „portmanteau“ den Kleiderhaken oder die GARDEROBE. Und zack, wieder ein französisches Wort. Dieses lässt sich ganz leicht übersetzen: Halt-den-Mantel. Wir haben die „Robe“ ja auch noch: aber bei uns ist es nur noch der MANTEL  (frz. manteau, span. manto, ital. mantello) der Richter, den diese tragen, wenn sie zB jemand wegen Raubes verurteilen. Und die Richter-ROBE? Heißt so, weil der Straßenräuber früher eben hauptsächlich Mäntel klaute – weshalb die bunte Beute „Rouba“ hieß, das „Geraubte“. So viele Mäntel brauchte kein Mensch, deswegen tat der Räuber den „Raub“ in die Kiste… und da lag das Zeugs dann: lauter bunt gemischter Kram. Und wie nennt den der Italiener? ROBA.  Was der Italo auch stets sagt, wenn er Kruscht und Kram meint: che roba, beziehungsweise: so ein Mist.

Und wieder: dasselbe Wort mit etwas härterem Konsonant – ROPA – bedeutet auf Spanisch „Wäsche“, aber auch leicht abfällig „Klamotten“. Könnte man beinah als false friend sehen, denn mit dem englischen Wort für „Seil“ – rope – hat es vermutlich nichts zu tun.
Auch das englische Wort „mantle“ kann man als false friend sehen: denn anders als in den andern erwähnten Sprachen steht es zwar für „Hülle“ in vielen Bereichen, aber NICHT im Bereich der Kleidung… mit „coat“ geht der Ami seinen bizarren Sonderweg. Che roba 😦
Jetzt ziehen Sie Ihrem Gedächtnis einen Salamandermantel an, den Sie aus dem Koffer Ihres Kopfes holen – all das kann man einfach bündeln und speichern – in einem Kofferwort. Salamantel

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