Mitarbeiter in der Firmenhomepage nennen – der Hickhack um den Datenschutz

Das Problem

In manchen Betrieben gibt es sofort Krach, wenn die Webseite überarbeitet wird. Insbesondere hört man manchmal die Klage von Mitarbeitern, sie wollten „nicht ins Internet“. Die Sorgen sind diffus, aber stark.

Zunächst: als Werbebeauftragter einer Firma kann ich nur sagen, dass ich es für eine Sabotage halte, wenn Mitarbeiter sich nicht abbilden lassen. Ausnahmen sind natürlich denkbar, aber das Gruppenbild ist vom Kindergarten über die Schulklasse, das Jahrgangs-Abschlussfoto und die Aufnahme vom Belegschaftsfest einfach weltweit normal und üblich. Speziell Dienstleister werden eben danach beurteilt, wie sie aussehen.

Wem peinlich ist, dass er in einer Firma arbeitet, der sollte sich überlegen, zu kündigen. Und die Weigerung, sich als Mitarbeiter nennen zu lassen, kann ein Grund für eine betriebliche Abmahnung sein; insbesondere dann, wenn Publikumskontakt, Laufkundschaft, physischer Kontakt usw. zum Leistungsspektrum des Unternehmens gehört.

Der Online Footprint eines jeden ist natürlich eine heikle Sache und bedarf der Überlegung. Dieser ist aber beim Durchschnittsbürger jeder Industrienation ohnehin gewaltig. Der durchschnittliche Mensch ist im Internet über sein Foto und über seinen Namen zu finden – wovon jeder Schuldenflüchtling ein Lied singen kann. Insofern können Sie dem Internet nicht entkommen, Sie können es nur steuern. Jede Internet-Agentur, die „ORM“ anbietet, kann hier helfen.

Wir alle werden ständig fotografiert und gefilmt, oft, ohne es zu wissen und ohne uns wehren zu können. Durch Tagging werden dann Zusatz-Informationen angehäuft – alles außerhalb unserer Kontrolle.

Angesichts dessen ist es albern, dagegen anzukämpfen, dass eine Firma, die unseren Lebensunterhalt garantiert und in der wir ständigen Kundenkontakt haben, uns im Netz als Mitarbeiter nennt. Schließlich steht das ja auch im Lebenslauf.

Denn für viele Dienstleister stellt sich sonst die Frage, was sie in ihrer Webseite unter „Team“ überhaupt präsentieren möchten. Natürlich gibt es Ausnahmen.

 

Die Ausnahmen

Gelegentlich besteht eine außerordentliche Situation für einzelne Mitarbeiter, die dazu führt, dass sie ihr Bild nicht im Internet veröffentlicht sehen möchten.

Denkbar ist hier zum Beispiel der Fall von Stalking-Opfern, persönlicher Problematik mit dem eigenen Äußeren, Furcht vor Rassismus etc.; auch kulturelle, religiöse oder familiäre Gesichtspunkte können relevant werden.

Unumgänglich, üblich, überall…

Die Mitarbeiter oder mit der Firma verbundenen Personen (auch das weitere Umfeld) gehören aber zur Außendarstellung der Firma. Zumindest Nennung der Mitarbeiternamen halte ich für gang und gäbe in allen Branchen, die kundenbezogene Dienstleistung anbieten. Ein Hersteller von Motorschrauben wird vielleicht darauf verzichten können, seine Angestellten zu nennen oder zu zeigen; eine Orthopädische Praxis, die Massagen anbietet, kaum, da viele Patienten gern vorher sehen, wer sie da anfassen wird. Kleinbetriebe möchten auch oft belegen, wie viele Mitarbeiter sie haben.

Was Fotos angeht: ich rate, sie zu zeigen. Dies wird in den meisten Betrieben  so gehandhabt (häufig ist ein Gruppenfoto auf der Startseite), und es ist, besonders bei Dienstleistern, völlig üblich.  Es gelingt mir auch nur schwer, eine Dienstleister-Homepage zu finden, die KEINE Fotos ihrer Mitarbeiter zeigt. Ausnahme mag hier die Finanzberatung sein.

Surfer erwarten generell, dass Dienstleister – etwa medizinische – hier nichts verbergen. Viele Patienten treffen ihre Entscheidung danach, wer da zu sehen ist, wie groß die Praxis demnach erscheint und ob die Leute sympathisch wirken. Auch ein Gruppenbild ist wichtig. Untersuchungen zeigen, dass Internet-Nutzer von unpersönlichen Seiten abgeschreckt werden.

 

…aber mit Verstand, bitte!

Zur Entschärfung des Problems: Bildrechte und die Steuerung der Suchmaschine sind ein Sonderbereich des Webdesign. Man kann darauf achten:
– Fotos erst nach Absprache und Genehmigung zu veröffentlichen und dabei genauestens die Wünsche der Abgebildeten zu beachten
– Fotosessions nicht extra abzurechnen (Kostenexplosion)
– persönliche Bilder in der Suchmaschine, so weit gewünscht und möglich, abzuschwächen
– Einzelbilder jederzeit gratis auszutauschen
Zu empfehlen sind Schwarzweiß-Bilder, was die Missbrauchsgefahr senkt. Nach Ausscheiden einer Mitarbeiterin / eines Mitarbeiters wird der entsprechende Eintrag (Passbild & Personalseite) aus der Webseite entfernt; auch das ist deutschlandweit üblich.

Was Datenschutz angeht – soweit Sie auf facebook mit Klarnamen und Farbbild zu finden sind, kann man Sie nicht stärker kompromittieren. Über facebook ist die Streuung und auch die Fülle der Informationen über Sie – durch Verknüpfung – so gewaltig, dass Ihre Nennung in einer Firmenseite schlicht keinen Unterschied mehr macht.

Insofern rate ich bei Sorgen um Datenschutz oder konkrete Gefahr (zB Stalking) _dringend_, sich in facebook weder mit Klarnamen anzumelden noch Fotos von sich im Internet zu zeigen. Durch automatische Bildsuche nach Bildähnlichkeit (CBIR) ist die Gefahr groß. Durch Datenverknüpfung kann sie jederzeit gefunden und geortet werden – insofern wäre ein Work Name (berufsbezogenes Pseudonym) hier der stärkste Schutz.

Zur Steuerung ihres Online Footprint biete ich übrigens jederzeit Beratung an.

Von diesen Tatsachen abgesehen – natürlich kann man eine ansprechende Seite für Sie gestalten und auch in Google positionieren, die ohne Personal-Angaben auskommt.
ABER: Das Verstecken des Personals halte ich für eine so ungewöhnliche und so schädliche Maßnahme, dass ich davon nur abraten kann… hiermit geschehen.

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Fachchinesisch in diesem Artikel:

ORM – Online Reputation Management. Das bedeutet die Steuerung Ihres Image im Internet, zB in Foren, Sozialen Netzwerken oder in den Ergebnisseiten der Suchmaschinen

CBIR – Content-based Image Retrieval, automatische Bildsuche, die Bildinhalte wertet oder vergleicht (zB: Für ein hochgeladenes Foto ähnliche Bilder findet)

Online Footprint: die Gesamtheit der über Sie verfügbaren oder durch Verknüpfung ermittelbaren Fakten im Internet

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4 Kommentare

  1. Sehe ich nicht so.

    Wenn man einen Namen hat, der in der Kombination des Vor- und Nachnamens selten ist, wird über die Eingabe des Namens in Suchmaschinen sofort die Auskunft klar, wo diese Person arbeitet.

    Ich habe kein Facebook mit echtem Namen oder ähnliches, weil ich nicht sofort gefunden werden will.

    Als Thomas Schmidt wär das egal, aber als Edip Akyürek in Deutschland nicht.

    Private familiäre Streitigkeiten oder lästige Ex-Lebensabschnittsgefährten können da sehr wohl ein ganz einfacher Grund sein, dass man nicht sofort lediglich durch Namenseigabe direkt gefunden werden möchte.

    Laut diesem Bericht hier bin ich wohl ein ganz besonderer Ausnahmefall, aber das ist leider unwahr.

    • Hallo Olcay,

      ich hab selber einen Namen, der in dieser Kombi in Deutschland selten ist, und versteh das Problem. Wenn ein/e Angestellte/r auf ernsthafte (!) familiäre oder soziale Probleme hinweist und deswegen nicht genannt oder gezeigt werden will, muss das Management das beachten. Übrigens würd ich niemand fotografieren, der das nicht wünscht.

      Ich weise allerdings darauf hin, dass die Geheimhaltung schwieriger wird – selbst Kommunen kommen inzwischen auf die Idee, Bürger-Daten zu verkaufen:

      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/kommunen-sollen-daten-der-buerger-verkaufen-15533156.html

      Das find ich nen absoluten Skandal.

      In Zeiten der DSGVO glaube ich, dass der innerbetriebliche Rechtsschutz auch für die Privatsphäre sich deutlich verbessern wird. Wenn man Ihnen in Sachen Gruppenfoto mit dem Argument kommt, da würden Sie ja nicht namentlich genannt, sollten Sie klarstellen, dass es inzwischen nicht mehr teuer ist, Fotos mit Bilderkennungs-Software im Internet zu suchen – auch aus Gruppenfotos kann Ihr Gesicht identifiziert werden. Das hat das Management zu akzeptieren.

      Eine sinnvolle Maßnahme übrigens ist, wenn Sie für den Internet-Auftritt mit einem Tarnnamen auftreten dürfen. Dann kann eine Seite entstehen, die Ihre betriebliche Funktion nennt Ihre Kompetenzen beschreibt, aber dort einen anderen Namen nennt. Ein genaues Portraitfoto sollten Sie dann nicht online stellen. Kommt aber im Gruppenfoto Ihr Gesicht vor und wird darunter ein falscher Name genannt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das entsprechende Bild, selbst falls es gefunden wird, als Irrläufer entfernt wird. Jede Suchsoftware erzeugt nämlich Irrläufer. Auch hier gilt übrigens, dass Schwarzweiss-Bilder besser sind als Farbbilder. Jeder Profifotograf übrigens wird wissen, das S/W Bilder im Netz viele Vorteile haben (schwarzweiss wirkt sympathischer, ist fehlerfrei darstellbar und ausdruckbar, barrierefreier, rassen-neutraler usw.).
      Falls das kompliziert klingt: auch das habe ich schon beruflich umgesetzt, und es war kein Problem mit dem Management.

      Und zu guter Letzt: Irrläufer zu erzeugen und im Netz zu streuen, kann eine sehr wirksame Methode sein, um Stalker ins Leere laufen zu lassen. Dazu genügt es im Grunde, dass der bewusste Name auf möglichst breit gestreuten Internetseiten auftaucht – die Verbindung macht man dabei aus einem öffentlichen Terminal.

      Ob das Bedürfnis, sich im Netz NICHT zu zeigen, der Regelfall oder die Ausnahme ist, kann ich nicht allgemein sagen. In meiner Berufspraxis ist es wirklich absolut üblich, ich habe nur mit Firmen-Webseiten zu tun, die ihre Angestellten zeigen und schieße dazu regelmäßig die Gruppenfotos. Der Regelfall ist, in meinem Umfeld, wirklich das Gegenteil: absolute Daten-Exhibitionisten, die ihre Passfotos, ihre Familie, ihren Besitz und ihren Klarnamen im Netz herumposaunen und beleidigt auf meine Bedenken reagieren. Tatsächlich bin ich nämlich absolut pro Datenschutz. Dazu gehört aber eben auch, dass man seinen „digitalen Schatten“ sinnvoll steuert. Für die meisten meiner Kunden ist verlässliche, korrekte und positive Info über den Berufsweg ein wertvoller Infobrocken, der gerade gefunden werden soll; in „sozialen Netzwerken“ wie facebook hat solche Info meiner Ansicht nach nichts verloren.
      Viele Gruesse aus Ravensburg,
      Timmo Strohm
      Webdesigner mit Schwerpunkt SEO und ORM

  2. Der Herr Werbebeauftragte nimmt sich da aber einiges raus: „dass ich es für eine Sabotage halte, wenn Mitarbeiter sich nicht abbilden lassen“ – in wiefern ist das als Sabotage zu verstehen, wenn ein Mitarbeiter sein Persönlichkeitsrecht beansprucht? Auch Unternehmen haben sich daran zu halten. Wenn man in einer Firma arbeitet, dann ist das immer noch der Arbeitsplatz und nicht die Familie oder der Freundeskreis. Alleine schon, wenn der Name ohne vorherige Absprache auf die Internet-Präsenz gesetzt wird ist in meinen Augen ein Vergehen. Ein bspw. negatives Firmen-Image könnte auch ein negativer Punkt für die berufliche Karriere bedeuten. „Wem peinlich ist, dass er in einer Firma arbeitet, der sollte sich überlegen, zu kündigen. Und die Weigerung, sich als Mitarbeiter nennen zu lassen, kann ein Grund für eine betriebliche Abmahnung sein […]“. Leider kann man sich heut zu Tage nicht mehr unbedingt aussuchen in welcher Firma man arbeitet – und sich nicht abbilden zu lassen hat auch nicht unbedingt etwas mit Peinlichkeit zu tun. Die Abmahnung hat nichts zu bedeuten, denn selbst wenn es zu einer Kündigung kommen sollte, verliert der Arbeitgeber vor jedem Arbeitsgericht. Die Grundrechte stehen dem Arbeitsvertrag eindeutig höher.

    • Hallo Hans,

      danke für den Kommentar. Zuallererst mal eines: ich als kleiner Werbefuzzy hab da sowieso absolut keine Entscheidungsmacht. Ich rate übrigens dem Management in jedem Fall, die Mitarbeiterwünsche zu berücksichtigen. Wenn ein/e Mitarbeiter/in partout nicht fotografiert werden will, lohnt sich m.E. der Streit nicht. Darf man obendrein den Namen nicht nennen, stellt sich natürlich langsam die Frage, was da los ist.

      Ich selbst frag vor JEDEM Foto, das ich schieße, ob es in Ordnung ist, erkläre, wofür es ist und stelle den Fotografierten selbst hinterher grundsätzlich das Foto zur Verfügung. Ohne Rechnung, die zahlt die Firma. So kommen viele zu einem brauchbaren Schnappschuss. Das dient auch dazu, dass der Fotografierte später über CBIR (Computer-based Image Retrieval) kontrollieren könnte, ob und wo im Netz sein Bild publiziert wird.

      In jedem größeren Betrieb ist aber ein Gruppenfoto wirklich üblich. Als Werbemittel spielen solche Bilder eine überragende Rolle bei der Vertrauensbildung. Zudem ist eine Firma, die sich, zB, „mittelständischer Betrieb mit über 50 Mitarbeitern“ nennt, einfach unglaubwürdig, wenn sie diese weder nennen noch zeigen kann. Ich halte es für üblich und zumutbar, in einem Gruppenfoto der Abteilung oder der Firma vorzukommen.

      Ich war übrigens schon Zeuge wütender Streitigkeiten über das Thema und kann sagen, dass das Management es sehr übel aufnimmt, wenn jemand sogar verweigert, im Gruppenbild zu erscheinen. Dazu braucht man einfach Gründe, und wenn die vorliegen, werden sie ohne weiteres akzeptiert.
      Nach dem AUSSCHEIDEN aus einem Unternehmen haben wir alle das Recht, dass das Unternehmen uns nach zumutbarer Zeit entfernt. Passiert normalerweise über ein aktualisiertes Gruppenbild (die Firma selbst hat ja auch ein Interesse daran). Nach meiner Kenntnis ist das grundsätzliche Recht auf Löschung unbestritten

      https://www.ferner-alsdorf.de/arbeitsrecht__foto-arbeitnehmer-persoenlichkeitsrecht-arbeitnehmerdatenschutz__rechtsanwalt-alsdorf__7961/

      Als Webdesigner ersetze ich das Bild einer Person, die sich nicht abbilden lassen will, durch ein Logo oder Icon, das die/der Betroffene selbst auswählen darf.

      In ALLEN Fällen meiner Praxis, in denen das Thema ein Streitpunkt war, luden die Beteiligten Farbfotos von sich selbst auf ihre eigene Facebook-Seite hoch (in einem Fall noch in meiner Anwesenheit), so dass das Argument des Grundrechts-Schutzes eigentlich beseitigt war. Auch das Management bekam das mit (nein, ich habe nicht gepetzt) und war stocksauer. Natürlich darf jeder bestimmen, wo und wann sie/er sich porträtieren lassen will, aber facebook ist und war ein solcher Datensudel, dass die Firmenhomepage dagegen ein sicherer Datenhafen ist.

      Nochmal – entscheiden kann, darf und will ich das nicht. Aber als Abschluss noch: ich empfehle meist, Angestellten-Fotos mit der Funktion zu bezeichnen (z.B. rechtsanwaltsfachangestellte_01.jpg). Dadurch greifen auch alte Links von ausserhalb auf das jeweils AKTUELLE FOTO – und das angezeigte Bild wird in der Suchmasch schneller ausgetauscht.

      Viele Gruesse aus Ravensburg,
      timmo strohm

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