Gefährliches Facebook

Dank facebook kann jeder Idiot veröffentlichen.

Das Schlimme ist, dass Idioten sich dadurch auszeichnen, viele Dinge nicht zu wissen, die für Sie und mich selbstverständlich sind. Darum ist es so schwer, etwas idiotensicher zu machen. Idioten nehmen elektrische Geräte mit in die Badewanne, zündeln am Benzintank oder in der Scheune und stellen ihr Auto auf die Schienen.

Idiot zu werden, ist leicht und hat sich schnell. Mir passiert es regelmäßig.

Man denkt einfach gerade nicht an die Gefahr.

Auf facebook verwirklichen sich Gefahren, an die wir nicht denken, weil unsere Kinder hier handeln und nach Gesetzen beurteilt werden, die für Verlage oder gegen terroristische Vereinigungen gelten sollen.

Man bringt das einfach nicht mit der eigenen Lebenswirklichkeit zusammen. Das Kind zeigt seinen Freunden eine alte Postkarte, auf der Nazisymbole sind. Das Kind stellt einen Klassenkameraden bloß. Es gründet eine Gruppe, in der man Nebenjobs suchen und bewerben kann. Es äußert sich pauschal über einen Lebensmittelhersteller. Es macht seiner Wut auf einen Lehrer Luft.

Nichts davon wäre früher irgendwie relevant gewesen. Opas Postkarte blieb auf dem Speicher, und die Kinder kamen wieder zum Kekse-Essen. Die hämische Erzählung, wie man die dumme Luzie geärgert hat, war Kindertratsch. Das schwarze Brett, das die Kids zum Austausch über Nebenjobs in der Apotheke aufhängten, bekam ein Lob für Initiative vom Lehrer; dass das Kind sagt, eine Schokosorte oder der Lehrer Lämpel seien ein alter Dreck, war belanglos.

Auf facebook? §§ 86a StGB, 185 StGB, 187 StGB, Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, gegen das Namensrecht, unerlaubte Handlung, Abmahnung, Störerhaftung… und bei alldem noch unerklärlich eifrige Staatsanwälte und Polizisten mit grimmigen Gesichtern. Beschlagnahmung des heimischen Computers, besorgte Anrufe von Eltern, verärgertes Nachhaken vom Schulleiter. Diskussionen, Diskussionen.

Kostenfallen lauern bei der unbeabsichtigten Verwendung geschützter Begriffe oder urheberrechtlich geschützter Materialien – schnell in der Höhe eines Monatsgehalts.

Die Gefahr, Täter zu werden, ist aber gar nichts gegen die Gefahr, Opfer zu sein.

Facebook ist anonym und kostenlos. Selbst wenn der Klarnamenzwang je kommt, wird der findige Straftäter ihn immer unterlaufen – und den Opfern würde durch die Verpflichtung, sich gläsern zu machen, jeder Schutz genommen.

Ihr Kind kann zu Glücksspielen verführt, von Triebtätern verlockt, von Menschenhändlern gefangen werden. Es kann, kaum volljährig, auf Trick-Angebote hereinfallen, die sich langfristig als schwere finanzielle Belastung herausstellen. Pyramidensysteme jeder Sorte lauern, oft als „MLM“ getarnt, in ganz harmlos aussehenden Facebook-Gruppen. Und die „selbständige Nebentätigkeit“, die Ihr Kind neben der Ausbildung her aufnehmen wollte, führt dazu, dass der Ruf Ihrer Familie beschädigt wird und die Garage voller peinlicher und unverkäuflicher Ramschartikel ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch: es gibt natürlich seriöse und normale Angebote auf facebook. Genau wie im Internet. Das Traurige ist, dass Köder eben immer besser aussehen als normales Futter – und dass Angler viele Tricks kennen.

Und übrigens: hereinfallen kann man auch als Erwachsener. Dann ist besonders schlimm, dass man sich blamiert, so dass viele Geschädigte stillhalten – darauf beruhen alle Rentner-Betrugsmaschen. Gerade, wenn wir schwach sind, kommt der Abzocker: Arbeitslose werden zum Ziel von Abzockern, Kranke zum Ziel von Wunderheilern, Trauernde zum Ziel von Geistermedien.

Die wirklich Kriminellen bleiben meist im Hintergrund. Die Drahtzieher der Abzock-Maschen werden selten persönlich tätig. Ein harmloses aktuelles Beispiel: Beim Verkauf von Wunder-Tierfutter werden begeisterte Verkäufer angeworben, die keine Ahnung davon haben können, was das Produkt taugt. Jeder von diesen „gründet“ seine eigene „Marke“, ähnlich wie beim White Label Marketing. Das macht die Einschätzung des Problems schwierig, und geprellte Kunden können sich nur an den Verkäufer selbst wenden.

Aber auch kostenpflichtige Hotlines für angebliche Arbeitsvermittlung oder Dienstleistungen jeder Art, die aus dem Ausland betrieben werden, sind lukrativ und deswegen häufig.

Während sich das Geschäft mit Tierfutter vielleicht noch harmlos anhört, können Bezahldienste rasch vierstellige Summen annehmen und das Monatsgehalt eines Durchschnittsmenschen übersteigen.

Strafverfolgung ins Ausland findet bei Internet-Kriminalität nicht statt.

Es gibt leider nur eine Abhilfe: informieren Sie sich ständig aus verlässlichen Quellen – Fachzeitschriften, Verbraucherzentralen – über Abzockmaschen und Betrugswellen.

Das ist mühsam.

Anders geht´s nicht.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s