Warum ich nicht für Suchmaschinen schreibe

Kurz-Zusammenfassung: dieser Text beschreibt, worauf es bei langfristiger hoch wirksamer Suchmaschinen-Beeinflussung ankommt. Er erklärt, warum „Tricks“, die gegen die User und die Suchmaschinen arbeiten, für den Betreiber einer Internetseite schädlich sind.

Jeder Satz, den ich schreibe, ist für die Suchmaschinen.

Sie stellen meinen Freunden, Kunden und Mitmenschen das, was ich schreibe, in einer Liste von Treffern zur Verfügung.

Natürlich gibt es auch versierte Menschen, die mich direkt ansteuern oder „aufrufen“. Dennoch, die meisten wählen den Weg über die Suchmaschinen. In einer Welt, in der nun schon die Automaten mitschreiben, und in der die Textmenge exponentiell wächst, wird das auch so bleiben – wir müssen die Information verwalten und ihr steuern.

Es spielt also immer eine Rolle, wie die automatische Auswertung der Suchmaschine meine Texte bewertet.

Das führt dazu, dass viele der Online-Publizierenden überhaupt nur noch an die Suchmaschine denken und wahre Textwüsten verfassen. Zahlreiche „Axolotls“ betätigen sich ausschließlich und konsequent als Kopisten, vielleicht, weil sie den englischen Fachbegriff „Copywriting“ falsch verstehen. Sie arbeiten dann nicht als „Konzeptionstexter“, wie wohl der deutsche Ausdruck lautet, sondern als Umarbeiter. Mithilfe von Wort-Ersetzungs-Programmen oder arbeitslosen Sekretärinnen wird dann eine endlose Textwurst erzeugt, die der Bearbeiter nicht oder halb verstanden hat. Es scheint ja nur darauf anzukommen, dass die Suchmaschine den Stichwort-Haufen erfasst.

Aber wer liest denn diese Klumpen aus sauer gewordenem Alphabet?

Eigentlich sind die Erzeuger solcher Fake-Seiten Fallensteller: die Suchmaschine ist der Wildwechsel, der Treffer der Köder, und wer hereinfällt – in jedem Sinn des Wortes – ist die Klickbeute.

Und dann? Wenn ich meinen Surfer hierhabe – so wie jetzt Sie, liebe Leser – was geschieht denn dann? Ihnen Ärger zu bereiten und Viren unterzuschieben, mag sich irgendwie lohnen und von planlosen Werbepartnern, die nur für Clicks zahlen, honoriert werden.

Aber werden Sie dadurch zum Leser oder zum Konsument? Die Conversion Rate, also die Anzahl der Leute, die ungewollt auf miesen Seiten landen und dadurch zahlende Kunden werden, dürfte gegen Null gehen. Sie, liebe Leser, können also nur unfreiwillige Opfer sein – irgend etwas wird Ihnen aufgezwungen.

Die Suchmaschine lebt aber von ihrer eigenen Nützlichkeit. Sie wird immer gegen Missbrauch ankämpfen. Die User tun das gleiche und versuchen auf jede Weise, dem Opferstatus zu entkommen. So arbeiten beide Parteien, die Suchmaschine und Ihre Nutzer, langfristig gegen den „Spammer“ oder „Clickbaiter“.

Daher ist meine ständige (anderes Wort für „langfristig“) Erfahrung, dass Suchmaschinen-Beeinflussung mit der Entwicklung der Techniken Schritt halten muss, die optimale Finde-Erlebnisse hervorbringen. Denn auch wenn ich im Auftrag für Kunden schreibe, geht es doch darum, einen guten Eindruck zu machen und nützlich zu sein. Beides zusammen. Und nur wenn das gelingt, sind alle zufrieden: die Surfer, der Auftraggeber und die Betreiber der Suchmaschine.

Die einzige Methode, die ich verwende, ist daher die Erstellung von originären Inhalten („Content“) in möglichst hoher Qualität.

Vieles wird mit Herzblut *schluchz* geschrieben und dann, trotz oder wegen der Qualität, gar nicht von Menschen gelesen. Auch der begeisterteste menschliche Leser _liest_ eine Webseite nie komplett. Die Suchmaschine aber liest immer alles. Und der tausendäugige Gott, den die menschlichen Surfer gemeinsam darstellen, liest stellenweise und zutiefst kritisch. Dem muss ein Text standhalten.

Idealerweise soll ein Text daher:

– halten, was er verspricht (tschüs, Clickbaiting)
– originär sein, damit er eben wirklich einen informatorischen Mehrwert darstellt
– schwer zu kopieren sein, also hoch individuell (Kundenschutz, Rechtsschutz)
– zeitlos sein und trotzdem sein Entstehungs- und Validitätsdatum enthalten

Die Suchmaschine arbeitet, unter anderem unter Berücksichtigung von Kriterien wie den gerade genannten, permanent an der Optimierung der eigenen Qualität. Sie will dem Suchenden ein optimales Finde-Erlebnis bereiten. Ein Text muss daher von vorn herein so sein, wie der Leser ihn haben will (und nicht so, wie der Schmuddelhöker ihn möchte).

Attraktive Inhalte, die „viral“ werden sollen – also solche, die die Rezipienten aktiv weiterverbreiten, den Leser zum Medium machen – sollten diesen Regeln ebenfalls folgen, da sie sonst leicht zu einem nicht mehr umkehrbaren schädlichen Trend werden können. Eine Agentur oder eine Webseite, die einmal mit „Hoax“ oder „Abzocke“ in Verbindung gebracht wird, wird diesen Makel nicht mehr los; der Hoax wird dann zum Bestandteil der Marke, was man vermeiden sollte.

In der Computertechnik gibt es den Begriff der Ein-Eindeutigkeit, was ausdrücken soll, dass eine Anschluss oder eine Steckverbindung sich nur in der korrekten Weise zusammenbringen lassen. Dieses Konzept empfehle ich auch für Inhalte im Web: was missverstanden werden kann, sollte gar nicht erst publiziert werden. Auch die drei sokratischen Siebe (wahr, nützlich, schön) können als Kriterium herangezogen werden.

Natürlich ist derartiges Arbeiten aufwendiger als das Erfinden von Lügen oder das Abschreiben fremder Inhalte. Dafür wirkt es besser, stärker und – länger.

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