Wir bringen Sie in Google auf Seite 1 – sagt der Betrüger

Oder: Warum Black Hat nichts bringt

Warum Black Hat nichts bringtAlle Firmen auf der Welt haben eines gemeinsam: sie brauchen mehr Geld. Mehr Geld kann von Kunden kommen, die das Produkt oder die Dienstleistung der Firma kennen und schätzen. Angesichts der Bedeutung des Internet will daher fast jede Firma der Welt mehr Präsenz, bessere Kritiken, mehr Aufmerksamkeit… und genau hier holt der Abzocker Sie ab.

Ja, SIE.

Als Fachkraft in meinem Bereich BIN ich für meine wesentlichen Stichworte „auf Seite 1“. Klar, ich tu den ganzen Tag nichts anderes, arbeite in einem hoch spezialisierten Bereich mit klarem Orts- und Themenbezug.

Ganz anders würde es aussehen, wenn ich Computer herstellen oder Gold verkaufen müsste.

Zunächst aber eines: es gibt keine „Seite 1“ in Google – oder anderen Suchmaschinen -, es gibt nur eine Trefferliste für Suchbegriffe.

Der Betrüger müsste Ihnen also sagen: „Wir bringen Sie für Ihren Suchbegriff hoch in Google“, und das wäre immer noch eine Lüge. Denn in Google „bringt“ gar niemand etwas hoch, nicht einmal Google selbst (außer natürlich gekennzeichneter Werbung).

Gerüchte über angebliche Beeinflussung lasse ich an dieser Stelle unbeachtet. Als selbstverständlich setze ich voraus, dass die Art, wie Googles Programme geschrieben sind (die Crawler und Bots und der überaus komplexe Page Rank Algorithmus) natürlich eine grundsätzliche Wertung darstellt. Sie ist aber für alle Webseiten vermutlich gleich. Die Probleme, die die Firma damit hat, Inhalte aus Ihren Ergebnis-Listen zu entfernen, sprechen Bände.

Dies führt, speziell in Deutschland, immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten, ein prominenter Fall ist eine Klage gegen Google von 2012.

Dem liegt außerdem zugrunde, dass Inhalte unkontrollierbar und stets neu ins Internet eingespeist werden – Schreiber dieser Zeilen veröffentlicht immer wieder hunderte von Webseiten an einem einzigen Nachmittag (beim „Rollout“ eines neuen Projektes nach Fertigstellung), und ich kündige das bei Google nicht an.  Für meine Kunden ist oft unverständlich, dass mit der Veröffentlichung nicht automatisch auch eine Erfassung durch Google geschieht – und andere Kunden wundern sich, warum ihr Online-Auftritt noch nach Jahren ein Schattendasein führt.

Weltweit ergießen sich Datenströme ins Netz, die jede Vorstellungskraft übersteigen; Schätzungen gehen von mehr als 40 Gigabyte pro Person und Jahr aus.

(Eine interessante Zusammenstellung aus dem Jahre 2008 finden Sie hier.)

Niemand „bringt“ Sie auf Platz 1; den es sowieso nicht gibt. Dass irgendjemand, oft ein Konkurrent, in zeitlicher Nähe etwas Ähnliches tut, lässt sich nicht verhindern oder vorhersehen.

Letztendlich gibt es nur eine einzige Maßnahme, die überhaupt möglich ist, und das ist: Die Relevanz einer Webseite für ein bestimmtes Stichwort zu erhöhen.

Mehr geht nicht.

Das ist natürlich kein knackiger Werbespruch, aber wenn Sie auf knackige Werbesprüche hereinfallen, sind Sie eben kein Unternehmer, sondern – manipuliert.

Sinnvolle online-Werbung besteht darin, zuerst herauszufinden, welche Stichworte für Ihr Unternehmen die wichtigsten sind. Normalerweise sind das Produkte, Dienstleistungen – und Ihre Marke.

Im zweiten Schritt wird herausgearbeitet, welche Stichworte oder Slogans bisher beworben wurden, und wie die Google-Ergebnisse für diese sind, auch in Kombination. Anschließen kann man eine Erhebung dazu, wonach Ihre Kunden in Google suchen, um Sie zu finden.

Versetzen wir uns mal kurz in Ihre Kunden: wie wäre denn deren Reaktion, wenn Ihre Webseite auf dem Bildschirm erscheint, und der Kunde etwas ganz anderes gesucht hat? Es gibt viele Suchbegriffe, für die Sie nicht als Ergebnis erscheinen wollen – und hier gegenzusteuern, ist beispielsweise einer meiner anspruchsvollsten Arbeitsbereiche.

Ihr Firmenname in Kombination mit dem Namen der Städte, aus denen Ihre Kunden kommen – das ist in der Regel der wichtigste Suchbegriff. Für diesen sollten Sie es auf die Seite 1 schaffen; Ausnahmen gibt es auch hier, wenn Ihr wichtigstes Stichwort viel Konkurrenz hat und außerdem Ihr Einzugsgebiet groß ist. In diesem Fall empfiehlt sich die Vorauswahl eines selteneren Stichwortes und dessen intensive Bewerbung.

Außerdem sollten Sie speziell für jene Dienstleistungen gefunden werden, an denen Sie am meisten verdienen: hierzu empfiehlt es sich, mal bei der Buchhaltung anzufragen.

Und wie erreicht man nun die „Seite 1“-Position?

Einfache Antwort: Seien Sie die Fundstelle mit der größten Relevanz.

Die Relevanz einer beliebigen Internet-Seite „maschinell“ zu steigern, ist ein übliches Verfahren; nach meiner Erfahrung werden dafür Geldsummen von ca. € 100,- pro Monat oder € 1.000,- pro Jahr verlangt.

Maschinelle Suchmaschinen-Beeinflussung kann sich allerdings rächen und ist dann ein ausgesprochen teurer Fehler: wenn die Suchmaschine automatische Beeinflussung erkennt, stuft sie die Relevanz Ihrer Dokumente für den jeweiligen Suchbegriff nämlich herab.

Im Internet kursieren wilde Gerüchte über die „Google Hell“, wie Laien den „supplemental index“ der Suchmaschine getauft haben.

Google verrät nicht, ob es eine Strafmaßnahme gibt.

Meine Einschätzung – und sie beruht nur auf meiner eigenen Praxis-Erfahrung – ist, dass Googles Programme mit einer gewissen Verzögerung arbeiten; Herabstufungen langsamer zurücknehmen als Hochstufungen; und dass alles, was nach Automatik aussieht, auch als solche behandelt wird.

Suchmaschinen selbst sind Automatismen und erkennen daher Automatik-Erzeugnisse. Langfristig wirkt sich daher jeder Versuch der programmierten Beeinflussung eher schädlich aus; und wenn Sie diesen auch noch teuer bezahlt haben, ist das doch leicht bedauerlich.

Echte Inhalte und wirklicher Zufall sind schwer automatisch zu generieren, das weiß jeder Mathematiker; und Steuerfahnder nutzen diesen Zusammenhang bereits, um künstliche Einfügungen in Spesen-Rechnungen zu finden.

Die verlässlichsten Werbemaßnahmen sind daher solche, die – wie der Computerfuzzy sagt – „ein-eindeutig“ sind: Inhalte, die die Suchmaschine gar nicht falsch verstehen kann. Sie sollten auch einer Überprüfung standhalten und nicht formal unglaubwürdig sein.

Diese Überprüfung ist NICHT inhaltlich. Die Tragödie des Google-Gläubigen ist, dass Google „Fachartikel“ und „Lexika“ von Laien für gleich wichtig hält wie die Artikel „echter“ Wissenschaftler; das ist der Grund, warum Wikipedia die Mehrzahl der Trefferlisten für Grundbegriffe anführt.

Google wertet aber sehr wohl, ob die positiven Links alle vom gleichen Server kommen; ob die Mehrzahl der Links aus ein und derselben Webseite kommt; ob die Links echte Textlinks sind, die wiederum auf Text verweisen, oder ob sie einfach zu einer Startseite zeigen.

Da Google versucht, den echten Leser nachzuahmen, sollte Google auch wie ein Leser behandelt werden. Das ist Regel Nr. 1.

Regel Nr. 2 ist, dass Google wie ein Statistiker behandelt werden sollte; denn Google verwendet numerische Erfassung für die Gewichtung von Stichworten.

Wenn Sie diese beiden Regeln beherzigen, ergibt sich ganz zwanglos, dass Sie normale Internet-Seiten erzeugen sollten, die so interessant, unterhaltsam und sinnvoll wie möglich sind.

Die Einzelseite sollte kurz sein (auch Menschen mögen keine Bleiwüsten, im Internet schon gar nicht), und sich auf ein eindeutiges Thema beziehen.

Sie sollten so viel Information wie möglich zur Verfügung stellen; und Sie sollten diese Information erkennbar strukturieren.

Nutzen Sie außerdem einen Medien-Mix, um an verschiedenen Stellen des Internet zu erscheinen; Youtube, Wikipedia, die Blogsphere und facebook sind gute Zusätze zu Ihrer Seite.

All das zusammen nennt man „White Hat SEO„, womit sich ausdrücken soll, dass man zu den „Guten“ gehört.

Das ist keine moralische Anweisung. „Black Hat“ arbeitet nämlich, und das wird Ihnen vom Betrüger verschwiegen, gegen Google. Und, da Google ja den wirklich relevantesten Treffer für seine User finden will, auch gegen Ihre Kunden.

Sie können vielleicht nicht der bedeutendste in Ihrer Branche sein, oder der größte.

Aber seien Sie doch der sympathischste. Langfristig, und das gilt für alle Mitglieder unserer Spezies auf dem ganzen Planeten, setzt sich bei uns das beliebteste Konzept durch.

Und das ist fast immer auch das billigste. Lächeln kostet nichts, bringt aber Kunden. Wenn Ihre Inhalte Google anlächeln, werden Sie langfristig die Konkurrenz überholen. Originalität, Kreativität, Unterhaltung und Information – das sind die Elemente Ihres Internet-Auftrittes, die Sie fast unbegrenzt steigern können.

An diese günstige Ressource sollten Sie denken, wenn Sie wieder einen Anruf erhalten, bei dem Ihnen ein teurer Wichtigtuer vorschlägt: „wir bringen Sie auf Seite 1″…

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